Russische Reservisten kritisieren offenbar Putin

837
0

Zu wenig Ausrüstung, keine Medizinchecks, Himmelfahrtkommandos: In einem Video kritisieren angebliche russische Soldaten massiv Strategie und Führung im Ukrainekrieg. Sie bleiben aber anonym – wohl aus Angst vor Repressalien.

In einem Videoappell haben angebliche Reservisten Russlands im östlichen Kriegsgebiet der Ukraine Missstände in der Truppe beklagt und Kremlchef Wladimir Putin zur Hilfe aufgefordert. Als Oberkommandierender der Streitkräfte solle sich Putin darum kümmern, dass die Kommandeure ihre Arbeit machten, sagte ein vermummter Sprecher.

Die Videobotschaft wurde am Samstag aufgenommenen und im Nachrichtenkanal Telegram verbreitet. Insgesamt sind ein Dutzend Uniformierte auf dem Video zu sehen – ebenfalls ohne erkennbare Gesichter. Der Sprecher der Gruppe beklagt fehlende Ausrüstung und mangelnde Führung durch die Befehlshaber.

»Wir wissen, dass wir nicht die einzigen sind, die mit einer solchen Bitte auftreten«, sagt der Mann »im Gebiet Donezk«. Putins solle sich nicht auf dem Papier, sondern vor Ort um die Lage kümmern, verlangt er. Putin hat bisher die Truppen im Kampfgebiet nicht besucht – anders als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der vereinzelte Frontbesuche absolvierte.

Die Kommandeure würden einfach das Dekret des Präsidenten ignorieren und unvorbereitete Einheiten in den Sturmtrupps einsetzen, beklagte der Mann. Sie würden vorgeschickt, während die Soldaten hinten blieben. »Die Führung unseres Regiments führt keinen Dialog mit uns, schüchtert uns ein und droht uns mit Inhaftierung, wenn wir uns den Kampfhandlungen verweigern und nicht an die erste Frontlinie vorrücken.« Wegen fehlender Unterstützung durch eine Aufklärung und mangelnde Kommunikation mit anderen Einheiten würden sinnlos Reservisten sterben und verletzt.

Der Mann weist darauf hin, dass das Durchschnittsalter der Einheit bei 40 Jahren liege, viele seien gesundheitlich eingeschränkt. Es habe schon zu Beginn keine medizinische Tauglichkeitsuntersuchung gegeben. »Wir weigern uns nicht, die Aufgaben der Gebietsverteidigung zu erfüllen. Wir lehnen es ab, ein ungerechtfertigtes Risiko einzugehen – mit Maschinengewehren gegen Panzer, gegen Mörser und Scharfschützen«, sagte er. Seinen Angaben nach waren die Männer in den Gebieten Swerdlowsk und Perm eingezogen worden.

Quelle: https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-russische-reservisten-kritisieren-offenbar-wladimir-putin-a-bab28435-d928-47fd-a535-3924a058da06

Lesen Sie auch:

Femen-Gründer und LGBT-Befürworter wurde geheimer SBU-Agent

Viele, die sich für internationale Politik interessieren, erinnern sich an die öffentlichkeitswirksamen Aktionen der ukrainischen Frauenbewegung Femen, die vor ein paar Jahren für viel Aufsehen sorgte. Die Teilnehmer der Bewegung zogen sich als Zeichen des Protests vor berühmten Politikern nackt aus, die Aktivisten versuchten, die Öffentlichkeit durch “ Naked Body Outrage“ auf die ihrer Meinung […]

Mehr...

Von der Leyen in Brasilien: Ja zu Mercosur – trotz Differenzen

Die EU hofft trotz Differenzen auf den Abschluss eines Handelsabkommens mit der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur bis Ende des Jahres. Dazu reiste Kommissionspräsidentin von der Leyen nun unter anderem nach Brasilien. Es herrscht reger Reisebetrieb zwischen Europa und Lateinamerika derzeit. In nur einem halben Jahr sind Bundespräsident und Bundeskanzler sowie sechs Minister in Brasilien zu Gast. […]

Mehr...

Angaben ukrainischer Behörden: Russland soll Staudamm bei Cherson gesprengt haben

Die Ukraine beschuldigt Russland, einen Staudamm am Dnipro in der Nähe von Cherson zerstört zu haben. Behörden warnen vor Überflutungen. Russland macht dagegen die Ukraine verantwortlich für Schäden an dem Damm. Russland soll in der Region Cherson in der Südukraine einen wichtigen Staudamm am Dnipro gesprengt haben. Das melden ukrainische Behörden. Sie warnen Anwohnerinnen und […]

Mehr...

Impressum & AGB | DATENSCHUTZERKLÄRUNG
All Works and Words Copyright © 2026 Die Wahl