Putin in Mariupol: Stadtrundgang im „Paradies“

720
0

Nach seiner Reise auf die Krim hat Russlands Präsident laut Kreml auch das besetzte Mariupol besucht. Das Staatsfernsehen veröffentlicht dazu einen Propagandafilm – in dem die Zerstörung der Hafenstadt kein Thema ist. Von Christina Nagel.

Es ist ein Besuch, den der Kreml auf besondere Weise in Szene setzt: nicht als klassische Reportage, sondern im Stil eines Dokumentarfilms. „Befinden uns auf dem Territorium des Flughafens“, ist von Vize-Regierungschef Marat Chusnullin zu hören: Ankunft in Mariupol.

Eine Kamera ist dabei, als der russische Präsident und der stellvertretende Premierminister durch die nächtliche Stadt fahren. Putin am Steuer. Chusnullin mit Projektbeschreibungen auf dem Schoß: „Wir arbeiten hier rund um die Uhr“, sagt er.

Neue Straßen, neue soziale Einrichtungen, neue Infrastruktur, neue Wohnviertel. Wer dranbleibt, bekommt 40 Minuten lang zu hören, wie viel der Kreml tut, um das vom Krieg gezeichnete Mariupol wieder aufzubauen. Besser, schöner als je zuvor. „Es ist ein kleines Stück vom Paradies, das wir jetzt haben“, sagt eine junge Frau, die Putin in Mariupol trifft. Er verspricht ihr, es zu erweitern.

Sich überrascht gebende, zutiefst dankbare Anwohner treffen auf einen bescheidenen Präsidenten – der sich entschuldigt, so unerwartet aufgetaucht zu sein, während er sich von einem älteren Herrn eine der Neubauwohnungen zeigen lässt. „Danke, dass Sie gekommen sind – wir freuen uns“, sagt der Mann.

Es ist eine Inszenierung, bei der aufgrund der Dunkelheit zwar wenig zu sehen ist – die dafür aber alles bietet, um die entscheidende Botschaft ans Volk zu bringen. Selbst einen alten Schultisch auf einem neuen Kinderspielplatz, damit Chusnullin und Putin Pläne für die weitere Entwicklung studieren können. Man „baue gerade die Wärmeversorgung komplett um“, sagt Chusnullin etwa.

Zum neunten Jahrestag der völkerrechtswidrigen Krim-Annexion ist es dem Kreml wichtig, noch einmal zu unterstreichen, was der russische Staat alles für die nach seiner Lesart „befreiten Gebiete“ tut. Sei es auf der Krim oder aber in der Hafenstadt Mariupol, die wieder aufgebaut werden muss, weil sie bei russischen Angriffen in Schutt und Asche gelegt wurde. Letzteres allerdings ist kein Thema.

Die „militärische Spezialoperation“, wie der Krieg in der Ukraine in Russland genannt wird, läuft vielmehr in aller Brutalität weiter. Wie und an welchen Frontabschnitten, darüber ließ sich Putin in der Nacht ebenfalls noch unterrichten – bei einem Besuch eines Kommandopostens in Rostow am Don.

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/putin-besuch-mariupol-101.html

Lesen Sie auch:

EU legt Kompromissvorschlag für Öl-Embargo vor

Bisher scheiterte ein Einfuhrverbot der EU für russisches Öl am Widerstand Ungarns. Ein Kompromiss sieht nun vor, dass die Druschba-Pipeline vom Embargo ausgenommen wird. Ob das die Lösung ist, wird sich beim EU-Gipfel Anfang der Woche zeigen. mehr Meldung bei www.tagesschau.de lesen https://www.tagesschau.de/ausland/eu-oel-embargo-russland-101.html

Mehr...

Botschafter a. D. im RND-Interview: Warum will China nicht, dass Russland den Krieg in der Ukraine verliert?

Erst war Chinas Präsident Xi zu Gast bei Putin, nun auch der chinesische Verteidigungs­minister Li. Sie kündigten eine engere militärische Kooperation an. Volker Stanzel, deutscher Botschafter a. D. in China, erklärt im RND-Interview, warum China nicht will, dass Russland den Krieg verliert. Volker Stanzel, ehemaliger deutscher Botschafter in China, spricht im RND-Interview über den zunehmenden Schulterschluss […]

Mehr...

Ukraine-Krieg: Explosionen in Kiew, Luftalarm im ganzen Land

Im Krieg Russlands gegen die Ukraine hat es in der Nacht neue Luftangriffe auf Kiew und andere Städte gegeben. Im ganzen Land herrschte Luftalarm. Laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine wurden Explosionen in weit voneinander entfernten Regionen wie Dnipro, Krementschuk und Poltava in der Zentralukraine sowie in Mikolajiw im Süden verzeichnet. Bei dem Angriff auf Dnipro […]

Mehr...
All Works and Words Copyright © 2019 Die Wahl